Letzte Straßenbahn nach Marienburg



Die Linie 6 fuhr "gefühlt" schon immer nach Marienburg. Erst von Schlebusch und Mülheim kommend und später, ab Mitte der 1970er Jahre, von Weidenpesch und Longerich aus. Im Zentrum der Stadt immer über die Ringstrecke Ebertplatz – Friesenplatz – Rudolfplatz – Barbarossaplatz – Chlodwigplatz. Aber damit ist seit dem Abend des 30. Augusts Schluss: Marienburg und Bayenthal hatten ihren Anschluss an die Straßenbahn verloren. Für den Bau der Nord-Süd-Stadtbahn.

Ein solches Ereignis zog viele Straßenbahnenthusiasten zu einer letzten Fahrt an. Sie waren schon einige Tage in den Straßen unterwegs und hielten aus allen Lagen jedes mögliche Motiv im Bild fest. Am Abend wurde Wagen 3774 an der Endhaltestelle Longerich entsprechend geschmückt und mit einem Schild versehen. Mit leichter Verspätung setzte sich der Zug um Viertel vor Acht in Bewegung. Eine gute halbe Stunde später, um 20:15 Uhr, bog dann zum letzten Mal eine Straßenbahn am Chlodwigplatz in die Bonner Straße ein.

An der Haltestelle Tacitusstr. wurde die Fahrt wegen eines Schützenumzuges für einige Minuten unterbrochen. Unteranderem kreuzten die Bayenthaler und Zollstocker Schützen mit einem Fakelzug die Goltsteinstraße. Nachdem sie passiert hatten, konnte die Straßenbahn ihre Fahrt fortsetzten. In der Wendeschleife Marienburg hatten dann die Hobbyisten nochmal die letzte Gelegenheit für Fotos genutzt. Es wurde langsam Dunkel und entsprechend anspruchsvoll, die Ereignisse im Bild festzuhalten. Alles in allem hat es so viel Zeit in Anspruch genommen, dass der erste Bus der Linie 106 uns eingeholt hatte und bis zum Chlodwigplatz hinter uns herfuhr.

"Unsere Linie 6" fuhr dann über die Strecke Barbarossaplatz – Zülpicher Platz – Neumarkt in den Betriebshof Merheim ein. Jeder, der mochte, konnte noch bis zur Haltestelle Merheim mitfahren.